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Gründerportrait # 11: BSMRG GmbH - Vom Erbstück zur Geschäftsidee

veröffentlicht am 11. Januar 2016 von Manuela Gogsch in Geschichten | Portraits | Interviews

Carl ist kein typischer Familienvater, aber trotzdem wahnsinnig beliebt, wenn es um schwere Dinge geht. Er hilft bei Umzügen, beim Großeinkauf und unterstützt gern Gewerbetreibende beim Transport ihrer Arbeitsmittel. Seine Frau Carla engagiert sich eher im sozialen Bereich. Sie ist oft mit Familien, Vereinen und allgemein mit vielen Menschen unterwegs. Sohn Carlchen mag es vor allem gemütlich und liebt es, immer neue Orte zu entdecken. Zusammen sind sie die Familie für alle Lebenslagen und unter dem Namen "Carl und Carla" unterwegs, ein Produkt der BSMRG GmbH aus Dresden.

Alles so einfach wie möglich
BSMRG - das sind Bastian, Stefan, Martin, Richard und Gregor.




Ein Betriebswirt und vier Ingenieure mit einer guten Idee. "Bei unserem Projekt "Carl und Carla" handelt es sich um gebrauchte VW-Busse, die wir vermieten. Dabei lautet unser Motto: Alles so einfach wie möglich", erklärt Martin Wesner, Geschäftsführer der BSMRG GmbH. "Deshalb haben wir eine Zugangsmöglichkeit entwickelt, mit der sich die Busse schlüssellos für den Kunden öffnen lassen. So muss niemand bei der Fahrzeugübergabe direkt dabei sein und die Busse können einfach an verschiedenen Standorten der Stadt auf öffentlichen Stellflächen abgeholt werden", erklärt der 28-Jährige. "Die Kunden sind dann zur online gebuchten Zeit am Auto, rufen uns an, und wir öffnen ihnen ferngesteuert die Tür. Im Auto finden sie dann die Papiere und den Schlüssel und können direkt losfahren.
Zurückgegeben wird der Bus vollgetankt und besenrein an der gleichen Stelle." Im Angebot sind drei verschiedene T4-Modelle. "Unser Carl ist der klassische Transporter, Carla der 9-Sitzer und Carlchen ein Campingmobil", stellt Geschäftsführer Martin Wesner die Fahrzeugflotte vor, die in zweieinhalb Jahren mittlerweile auf 60 Busse angewachsen ist.

Plötzlich wollten alle den Bus
Die Idee zum Projekt hatten die fünf Freunde, als Bastian von den Großeltern einen T4-Bus vererbt bekam. "Wir wollten schon immer so einen für uns haben, also hat sich jeder am Unterhalt beteiligt", erinnert sich Martin Wesner.
"Und dann fragten immer mehr Freunde nach, ob sie sich den Bus ausleihen können." Schließlich war das praktische Fahrzeug ständig unterwegs. "Da haben wir uns einen zweiten zugelegt. Wir hatten aber immer das Problem, dass der Schlüssel nie bei dem war, der gerade fahren wollte und wir haben überlegt, ob wir es nicht hinbekommen, dass es auch irgendwie ohne Schlüssel aufgeht", erzählt der Jungunternehmer.
"Es passte einfach alles: Das Studium neigte sich dem Ende, wir mussten entscheiden, was wir danach machen, und dann sind wir im Internet auf das Stipendium gestoßen. Da war klar, dass wir es mit einer eigenen Firma versuchen."

ESF-Förderung ermöglicht Unternehmensstart
Für die Zeit der Entwicklung ihres Systems zur automatisierten Fahrzeugübergabe und einer dazugehörigen Internetseite samt Buchungssystem haben drei der Firmengründungsmitglieder 2013 ein Stipendium erhalten. Es wird aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert. Ziel der Förderung ist es, die Gründung junger, innovativer Unternehmen zu unterstützen.
"Ohne dieses einjährige Stipendium und den Rückhalt von Familie und Freunden hätten wir das Projekt nicht gestemmt bekommen", sagt der Geschäftsführer. Mit dem Stipendium konnten sich Bastian Thiere, Stefan Marsch und Martin Wesner gleich nach dem Studium ganz auf die Entwicklung ihrer Technologie konzentrieren und mussten sich keine Sorgen um den Lebensunterhalt machen. "Das erste Jahr war hart. Wir wollten ja, dass die Firma nach dem Stipendium unbedingt erfolgreich weiterläuft und wir uns finanzieren können. Das war viel Arbeit", erzählt der Geschäftsführer und ist sichtlich froh, es geschafft zu haben.

Nachfrage wird immer größer
Der Bedarf an den praktischen Kleinbussen ist riesengroß. "Die Kunden kamen fast von allein zu uns. Es hat sich alles über Mundpropaganda herumgesprochen. Wir haben Flyer verteilt und ganz am Anfang in der Neustadt die Straßen mit Kreidebotschaften beschrieben", erinnert sich Martin Wesner schmunzelnd.

Die Kunden der BSMRG GmbH sind vor allem junge Familien, Vereine, Studenten und Bands. Das Unternehmen entwickelt sich rasant und beschäftigt neben vier Vollzeitkräften und einer Teilzeitkraft mittlerweile auch mehrere Studenten, die die Gründer beim Telefondienst unterstützen. "Unsere Busse können inzwischen in Dresden an sieben und in Leipzig an drei Standorten angemietet werden. Wir wollen unser Angebot aber auf jeden Fall noch ausbauen. Wir haben jetzt schon Anfragen aus anderen Städten", verrät Martin Wesner und fügt hinzu: "Wir entwickeln unsere Technik jeden Monat weiter, damit sie noch besser und schneller funktioniert." Schon jetzt ist die BSMRG GmbH im Nutzfahrzeugbereich einer der größten Fahrzeugvermieter in Dresden, Expansion nicht ausgeschlossen.

Quelle: EU-Zeit 2/2015: Das Magazin zur EU-Förderung in Sachsen; Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr