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Kein Kredit ohne Sicherheiten

veröffentlicht am 19. Februar 2016 von Ute Zesewitz in Fördermittel und Zuschüsse, Tipps und Tricks, Finanzierung

Gehört Ihr auch zu denen, die für den Aufbau oder die Weiterentwicklung Eures Unternehmens einen Kredit benötigen? Die Banken verleihen Euch ihr Geld aber nur dann, wenn sie erwarten können, dass sie dieses Geld auch zurückbekommen. Sicherheiten spielen für eine positive Entscheidung von Banken eine wichtige Rolle.

Aber: Allein wegen ausreichender "bewertbarer" Sicherheiten wird kein Kredit für eine Gründung bewilligt. Sie sind nur ein zusätzliches Argument für eine Kreditvergabe. Im Mittelpunkt der Kreditprüfung steht Erfolgswahrscheinlichkeit Eures Gründungsvorhabens.

Die überzeugende Unternehmerperson
Eure Person beeinflusst maßgeblich die Entscheidung der Geldgeber. Wichtig sind fachliche und vor allem kaufmännische Qualifikationen. Von Bedeutung ist auch, dass Ihr "geordnete" finanzielle Verhältnisse nachweisen könnt (keine nennenswerten, ungeregelten Schulden und keine größeren ungewöhnlichen finanziellen Belastungen). Dazu kommt der "gute" Eindruck, den Ihr hinterlassen solltet:
  • seriös,
  • entschlossen,
  • tatkräftig,
  • überzeugt von Euch selbst und Eurem Vorhaben.

Vor allem müsst Ihr gut vorbereitet in das Kreditgespräch gehen.

Rentabilität nachweisen
Von besonderer Bedeutung ist die Frage, ob euer Unternehmen in der Lage ist, Zinszahlungen und Tilgungen zu leisten. Ihr müsst die so genannte "Kapitaldienstfähigkeit" nachweisen.
Das bedeutet: Die zu erwartende Rentabilität muss ausreichend hoch sein. Dafür solltet Ihr eine plausible Rentabilitätsvorschau vorweisen können. Auch solltet Ihr die Höhe des gesamten Investitionsvolumens und der benötigten Betriebsmittel (Hierbei die Kosten der Anlaufphase und evtl. Auftragsvorfinanzierung nicht vergessen!) genau kennen.
Macht nicht den Fehler vieler Gründerinnen und Gründer und habt nur sehr vage Vorstellungen vom Kapitalbedarf und der Rentabilität eures Vorhabens.

Eigenkapital
Je mehr Eigenkapital Ihr einsetzen könnt, desto besser. Bedenkt: Nur wer auch eigenes Geld riskiert, dem vertraut ein Geldgeber zusätzliches fremdes Geld an. Plant aber immer auch Reserven mit ein.
Tipp! Eigenkapital kann bei größeren Investitionen und bei einer angemessenen Eigenbeteiligung mit dem Förderprogramm "ERP-Kapital für Gründung" verstärkt werden.

"Bankübliche" Sicherheiten
In der Regel werden von der Hausbank bei einer Kreditvergabe "bankübliche" Sicherheiten verlangt: d. H. Ihr überträgt Teile Eures Vermögens bzw. bestimmte Rechte daran auf den Kreditgeber. Das Spektrum dieser Sicherheiten reicht von der persönlichen Haftung mit dem Privatvermögen bis hin zur Übereignung von eindeutig bewertbaren Mobilien oder Immobilien an die Bank als Pfand.

Ausfallbürgschaften durch Bürgschaftsbanken
Wenn Ihr selbst nicht über ausreichende Sicherheiten verfügt, können Ausfallbürgschaften als vollwertige Kreditsicherheiten dienen. Ausfallbürgschaften stehen für Existenzgründer, gewerbliche Unternehmen und Freiberufler zur Verfügung, denen wegen fehlender oder zu geringer Sicherheiten kein oder kein ausreichender Kredit gewährt würde.
Achtung: Ausfallbürgschaften ersetzen fehlende Sicherheiten, aber nicht fehlende Rentabilität oder fehlende wirtschaftliche Perspektive eures Unternehmens!

Was sind Ausfallbürgschaften?
Eine Bürgschaftsbank bürgt hier für einen Kreditnehmer bei dessen Hausbank für einen Kredit. Sie bürgt für bis zu 80 Prozent des zu besichernden Kreditbedarfs. Für die restlichen 20 Prozent muss die Hausbank das Risiko tragen.
Achtung: Ihr als Kreditnehmer haftet prinzipiell immer für die gesamte Kreditsumme. Die Bürgschaft kommt erst dann zum Tragen, wenn - z. B. bei Insolvenz des Kreditnehmers - dessen Sicherheiten "zu Geld gemacht" wurden, für eine Rückzahlung des Kredits aber nicht ausreichen.

Was sind Bürgschaftsbanken?
Bürgschaftsbanken sind Selbsthilfeeinrichtungen der Wirtschaft. An ihnen sind beteiligt: Banken und Sparkassen, Wirtschaftsverbände, die Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern und Kammern der Freien Berufe, sowie in einigen Bundesländern auch Versicherungsunternehmen. Sie stehen nicht miteinander im Wettbewerb, sondern sind - jeweils rechtlich und wirtschaftlich selbstständig - für die Mittelständische Wirtschaft nur in "ihrem" Bundesland tätig.
Bürgschaftsbanken übernehmen Ausfallbürgschaften für kurz-, mittel und langfristige Kredite aller Art und für jeden wirtschaftlich vertretbaren Zweck, z. B. für Existenzgründungen und Betriebsübernahmen, Investitions- und Wachstumsfinanzierungen, Betriebsmittel (auch Kontokorrentkreditrahmen), Avale und Garantien (z. B. für Durchführungs- und Gewährleistungsbürgschaften) und Franchise-, Leasing- und Mietkauffinanzierung.

Wo und wie werden Ausfallbürgschaften beantragt?
Eine Bürgschaft wird in der Regel über die Hausbank beantragt. Achtung: Bezieht eure Hausbank und die Bürgschaftsbank frühzeitig in eure Planung ein. Vor Vertragsabschlüssen muss die Finanzierung geklärt sein. Führt alle Gespräche mit aussagekräftigen Unterlagen. Bürgschaftsbanken übernehmen ein besonders hohes Risiko. Sie brauchen deshalb aktuelle und umfassende Informationen.

Bürgschaftsbank prüft Konzept
Die Bürgschaftsbank prüft für die Bürgschaftszusage das Gründungs- oder Unternehmenskonzept - ggf. nach der Hausbank sogar ein zweites Mal - auf Herz und Nieren. Fragt bei einer Ablehnung nach den Gründen. Nutzt diese Absage als Chance: Beseitigt die Schwachstellen Eures Konzeptes.

Kosten
Der Kreditnehmer hat für eine Ausfallbürgschaft ein einmaliges Bearbeitungsentgelt sowie eine laufende Provision von üblicherweise 1 bis 1,5 Prozent der verbürgten Summe zu zahlen.

Quelle: GründerZeiten 14, Sicherheiten - Bürgschaften - Rating, BMWi, Berlin

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