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Beteiligungsfinanzierung als Ergänzung oder Alternative zur Kreditfinanzierung

veröffentlicht am 05. September 2016 von Ute Zesewitz in Fördermittel und Zuschüsse, Finanzierung

Vor allem junge Unternehmen haben in der Regel Probleme, genügend Kapital für größere und risikoreichere Investitionsvorhaben "aufzutreiben". Normalerweise bitten sie ihre Hausbank um einen Kredit. Die lehnt ab, wenn sie die gewünschten Sicherheiten vermisst.

Gerade für Unternehmen mit guten Wachstums- und Erfolgsaussichten, aber gleichzeitig auch hohem Ausfallrisiko, empfiehlt es sich daher über Beteiligungsfinanzierung nachzudenken.

Zu teuer, zu schwierig, zu viele Mitspracherechte - das sind typische Vorurteile für Beteiligungsfinanzierungen. Dabei liegen die Vorteile klar auf der Hand. Durch die höhere Eigenkapitalquote werden nicht nur die Bonität und das Rating verbessert, das zusätzliche Eigenkapital stärkt auch den Puffer in Wachstumsphasen und schwankende Umsatzentwicklungen können besser ausgeglichen werden. Zusätzliches Know-how und neue Kontakte durch den Investor können wichtige Impulse für die Weiterentwicklung geben. Das Engagement einer renommierten Beteiligungsgesellschaft führt zu einem Imagegewinn und stärkt die Verhandlungsposition des Unternehmens. Beteiligungsfinanzierungen sind typischerweise Beteiligungen auf Zeit. Kapitalgeber stellen Unternehmen für einen begrenzten Zeitraum Kapital zur Verfügung, um sich später wieder zurückzuziehen. Dabei spezialisieren sich Eigenkapitalgeber oft selektiv auf einzelne Beteiligungsphasen.

Frühphasenfinanzierung (Seed-, Start-up-Finanzierung):
Als sog. Seed Capital wird Eigenkapital zur Umsetzung einer Geschäftsidee in marktgängige Produkte und Dienstleistungen bezeichnet. Daran schließt sich die Start-up Finanzierung an.

Expansions- oder Wachstumsfinanzierung:
In dieser Phase wird Eigenkapital typischerweise zur Erweiterung des Produktions- und Vertriebssystems, zur Produktdiversifikation oder zur Stärkung der Marktdurchdringung in Anspruch genommen.

Weitere Anlässe für eine Beteiligungsfinanzierung können fremdfinanzierte Unternehmensübernahmen durch das Management (MBO, MBI); die Finanzierung der Unternehmensnachfolge oder auch Restrukturierungs- und Sanierungsprozesse sein.

Wichtig ist es daher, für den individuellen Finanzierungsanlass den jeweils richtigen Eigenkapitalgeber und die richtige Finanzierungsform zu finden, denn Beteiligungen sind nicht für jedes Unternehmen geeignet.
Bei kleinen Unternehmen mit geringen liquiden Mitteln, aber hohen Wachstumsperspektiven, kann die offene Beteiligung empfohlen werden. Die Beteiligungsgesellschaft tritt im Außenverhältnis als Gesellschafter auf und ist berechtigt, im Rahmen ihrer Beteiligung Entscheidungen für das Unternehmen zu treffen. Da sie auch am Risiko eines Scheiterns beteiligt ist, erwartet sie höhere Renditen als ein Fremdkapitalgeber. Die Vergütung orientiert sich am Gewinn des Unternehmens und an der Wertsteigerung der Unternehmensanteile.

Die stille Beteiligung ist bei etablierten Unternehmen mit soliden wirtschaftlichen Ergebnissen geeignet. Bei einer typisch stillen Beteiligung leistet der stille Gesellschafter eine Einlage in das Vermögen eines Unternehmens, ohne Anteile zu erwerben. Nach außen tritt er nicht in Erscheinung, nimmt keinen Einfluss auf die Geschäftsführung und haftet gegenüber den Gläubigern des Unternehmens nur bis zur Höhe seiner Einlage.

Ein nachrangiges Darlehen ist mit einer Rangrücktrittserklärung versehen. Es wird im Falle einer Insolvenz, Liquidation oder eines Nachlassverfahrens erst nach vollständiger Auszahlung aller weiterer nicht nachrangigen Gläubiger zurückgezahlt. Aufgrund des höheren Risikos liegt der Darlehenszins beim nachrangigen Darlehen über dem eines Bankdarlehens.

Mezzanine Kapital stellt eine Sonderform zwischen Eigen- und Fremdkapital dar. Mezzanine-Mittel können auch in Form einer stillen Beteiligung oder eines nachrangig haftenden Darlehens zur Verfügung gestellt werden. Um sorgfältig zu prüfen, welche Form die Richtige ist, hilft es vorab einige Fragen zu klären:
  • Wie weit sind Sie bereit, Entscheidungsbefugnisse abzugeben?
  • Wieviel Einflussnahme in Unternehmensprozesse dulden Sie?
  • Was ist die finanziell günstigste Alternative?
  • Welche finanziellen Belastungen kann Ihr Unternehmen tragen?
  • Existiert neben Ihrem finanziellen Bedarf auch ein Unterstützungsbedarf in Ihrem Unternehmen?
Bei der Auswahl eines Eigenkapitalgebers sollte nicht in erster Linie entscheidend sein, wer am meisten Kapital zur Verfügung stellt, sondern wer den größten Wert für das Unternehmen schaffen kann. Der "Chemie-Faktor" ist für eine erfolgreiche Finanzpartnerschaft von großer Bedeutung.

Die Unternehmer sollten dabei auf folgende Kriterien achten:
Eine Übersicht über potenzielle Kapitalgeber finden Sie beim Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften.
Neben privaten und institutionellen Kapitalgebern und Investoren beteiligt sich auch der Staat durch eine Vielzahl von öffentlich geförderten Beteiligungsprogrammen, um innovativen Technologieunternehmen die Finanzierung ihres Wachstumspfads zu ermöglichen.