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Finanzierung mal anders - Leasing und Factoring

veröffentlicht am 12. Dezember 2016 von Ute Zesewitz in Finanzierung

Eine Möglichkeit, die Finanzierung auf eine breite Basis zu stellen und von Bankfinanzierungen unabhängiger zu werden, stellen die Alternativen Leasing und Factoring dar. Mit diesen Finanzierungsinstrumenten lassen sich betriebliche Investitionen in Wirtschaftsgüter finanzieren und Forderungen aus Lieferungen und Leistungen zur Schaffung liquider Mittel für die Finanzierung Ihrer Betriebsmittelbedarfe verkaufen.

Die Instrumente können dabei helfen, das Forderungsmanagement und die Bilanz zu optimieren, zusätzliche Liquidität zu schöpfen und zugleich Ihr Kreditrating zu verbessern.

In den Beratungen zur Finanzstruktur unserer Mitgliedsunternehmen stellen wir immer wieder fest, dass beide Finanzierungsarten immer noch deutlich unterrepräsentiert sind.

Leasing
Der Begriff "Leasing" stammt aus dem Englischen und bedeutet "Miete". Leasingverträge sind daher vom Grundsatz Mietverträge. Neben den Verbindungen zur Miete gibt es jedoch aufgrund der vertraglich vereinbarten Wartungs- und Instandsetzungsleistungen verpflichtend durch den Leasingnehmer wesentliche Unterschiede. Rechtlich betrachtet ist Leasing die Gebrauchsüberlassung eines Investitionsgutes auf Zeit gegen Entgelt und stellt damit eine Alternative zum klassischen Investitionskredit der Bank dar.

Beliebte Leasingobjekte sind Fahrzeuge aller Art. Doch Leasing bietet sich ebenso für Produktionsanlagen, EDV-Ausstattung, Immobilien oder vieles mehr an. Dabei bleibt der Leasinggeber (der "Vermieter" des Leasingobjektes) juristischer und wirtschaftlicher Eigentümer des Wirtschaftsgutes. Nach Ablauf der vereinbarten Leasingdauer kann das Leasingobjekt vom Unternehmen zum Restkaufpreis übernommen werden oder an den Leasinggeber zurückgegeben werden.

Leasing ermöglicht Investitions- und Kapazitätserweiterungen auch ohne Einsatz eigener Mittel. Inwieweit der Leasinggeber auf einer Mietsonderzahlung besteht, entscheidet Ihre Bonität. Ebenfalls von Ihrer Bonität abhängig werden die Leasingkonditionen vereinbart.

Grundsätzlich sind zwei Leasing-Vertragsformen zu unterscheiden: Financial-Leasing und dem der Miete angenäherten "Operating-Leasing".

Die gebräuchlichste Differenzierung von Leasing-Verträgen erfolgt nach den Kriterien "Dauer" und "Amortisation". Daneben gibt es Sonderformen, wie z.B. Sale-and-lease-back, Full-Service-Leasing und kündbare Leasing-Verträge.

Unser Tipp: Merkblatt Leasing

Insbesondere die Sonderform Sale-and-lease-back verfolgt das Ziel der Kapitalfreisetzung. Das im Anlagevermögen gebundene Kapital steht zur Verfügung, ohne die entsprechenden Anlagegüter abgeben zu müssen. Stille Reserven können mobilisiert werden. Dies schont das Eigenkapital und die Kreditlinien des Unternehmens.

Da die Vorteile des Leasing maßgeblich aus den im jeweiligen Leasing-Vertrag vereinbarten Rechten und Pflichten des Leasing-Gebers und des Leasing-Nehmers resultieren, ist zur Bewertung der Vorteile eine ausführliche Nutzen-Kosten-Analyse unter Beachtung bilanzieller und steuerlicher Auswirkungen durchzuführen.

Bei der Wahl, welche Finanzierungsform die richtige ist, kommt es im Wesentlichen darauf an, welche bilanzpolitischen Ziele verfolgt werden (Verminderung der Bilanzsumme, Erhöhung der Eigenkapitalquote) und welches Angebot wirtschaftlich attraktiver ist.

Da die Gestaltungsmöglichkeiten beim Leasing vielfältig sind, sollte im Einzelfall genau geprüft werden, welche Vor- und Nachteile damit verbunden sind und ob es sich für das Unternehmen lohnt.
 
Vorteile /Chancen Nachteile /Risiken
  • Verkürzung der Bilanz durch Bilanzierung bei Leasinggesellschaft, wodurch u.a. eine höhere Eigenkapitalquote ausgewiesen wird und sich das Kreditrating verbessern kann
  • Positives Bilanzergebnis löst ggf. Steuerzahlungspflicht aus
  • Schont das Eigenkapital und Kreditlinien, Erhalt der Liquidität bei gleichzeitiger Kapazitätserweiterung
  • Ähnliche Bonitätsanforderungen wie bei Kreditinstituten
  • I.d.R. nutzungskonforme fixe Leasingraten als fest kalkulierbare Größe für gesamte Vertragsdauer
  • I.d.R. starke Bindung während der Grundmietzeit mit Leasingrate als Fixkostenblock, der erwirtschaftet werden muss
  • Rückgabemöglichkeit bzw. Kaufoption des Leasingobjekts nach Grundmietzeit
  • I.d.R. Pflicht zur Instandhaltung, Instandsetzung und Versicherung des Leasingobjekts (oft aber verbunden mit entsprechenden Serviceleistungen)
  • I.d.R. steuerlich absetzbare Leasingraten als Betriebsausgaben 
  • Relativ hohe Ratenbelastung (20-40% über der Kaufsumme)

Factoring - Für Liquidität und Entlastung sorgen. 
Factoring, also der Verkauf von Forderungen, ist eine interessante Alternative zur Betriebsmittelfinanzierung. Es eröffnet zum einen die Möglichkeit, Liquidität zu schaffen, und sichert Sie zum anderen mit bis zu 100 Prozent gegen Forderungsausfälle ab. Die aus dem Forderungsverkauf resultierende Liquidität kann zum Abbau von Verbindlichkeiten genutzt werden. Das führt zu einer höheren Eigenkapitalquote beziehungsweise einer günstigeren Bilanzstruktur und kann dazu beitragen, das Rating bei der Hausbank zu verbessern sowie Kreditspielräume zu erweitern. Zudem können Sie durch die Nutzung der Angebote professioneller Full-Service-Factoring-Gesellschaften gleichzeitig Entlastungen im Debitorenmanagement und Ihres Mahnwesens sowie im Inkasso erreichen. Die Factoring-Kosten hängen von jeweiligen Finanzierungsvolumen ab. Sie bestehen aus einer Factoring-Gebühr und Zinsen.

Mit dem Verkauf von Forderungen an einen Factor lassen sich Finanzlücken schnell schließen, denn als Gegenleistung für die Abtretung der Forderung zahlt der Factor an den Factoring-Kunden sofort den Kaufpreis, abzüglich eines Sicherungseinbehaltes. Für den Verkäufer entsteht dadurch ein unmittelbarer Liquiditätsgewinn durch eine umsatzkongruente Finanzierung.   Der Factoring-Vertrag ist rechtlich gesehen ein Kaufvertrag. Eine individuelle Lösung kann dadurch gefunden werden, dass verschiedene Factoringalternativen zur Auswahl stehen. Beispielhaft seine das Full-Service-Factoring, Inhouse-Factoring und Auswahl-Factoring benannt.

Unser Tipp: Merkblatt Factoring

Die Geschäftsbeziehung basiert immer auf einem Factoring-Vertrag zwischen dem Factor und Ihrem Unternehmen. Der Factor prüft vor Vertragsabschluss sowie fortlaufend die Bonität der einzelnen Abnehmer und übernimmt in einem jeweils vereinbarten Rahmen das volle Ausfallrisiko.

Ist Factoring für Ihr Unternehmen geeignet?
Voraussetzung für Factoring ist, dass keine Forderungsabtretung (Zession) oder andere Rechte Dritter bestehen. Factoring eignet sich insbesondere, wenn
  • es sich bei den Abnehmern um gewerbliche Kunden handelt,
  • der Debitorenbestand breit gestreut ist,
  • die Zahlungsfristen maximal 90 Tage betragen,
  • die der Forderung gegenüberstehende Leistung vollständig erbracht worden ist,
  • keine Gegenforderungen existieren,
  • keine Forderungsabtretung (Zession) oder andere Rechte Dritter bestehen.

Nicht alle Branchen bzw. Forderungen eignen sich für das Factoring. Besonders beliebt sind Branchen, deren Abnehmer über eine überdurchschnittliche Bonität verfügen.

Ausgeschlossen werden häufig
  • Forderungen mit Rückgaberechten oder Rechnungen an private Kunden.
     
Kunden aus dem Bau-, Handwerks- und Speditionsgewerbe und den Branchen, bei denen Streitigkeiten um erbrachte Leistungen tendenziell sehr oft vorkommen bzw. ein Nachweis der vollständigen Leistungserbringung nur schwer möglich ist, sind die Möglichkeiten stark eingeschränkt.

Vor- und Nachteilen bzw. Chancen und Risiken, die mit Factoring verbunden sein können, hier auf einen Blick:
 
Vorteile /Chancen Nachteile /Risiken
  • Erhöhung der Liquidität und Reduzierung des Forderungsbestandes verschafft finanziellen Spielraum 
  • Verringerung des Verwaltungsaufwands durch Abgabe der Forderungsverwaltung möglich 
  • Schutz vor Forderungsausfällen
  • Einschränkung der persönlichen Beziehung zum Kunden und fehlende Steuerungsmöglichkeit der Mahnungen durch Abgabe der Forderungsverwaltung

Es empfiehlt sich für Sie, Vergleichsrechnungen anzustellen, ob Factoring die kostengünstigere Alternative für Ihre Unternehmensfinanzierung ist.