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Unternehmensgründungen sind die Geburten für den Wirtschaftskreislauf

veröffentlicht am 02. Januar 2019 von in Allgemein, Gründung

Immer wieder finden wir in den Medien Meldungen über Insolvenzen und Geschäftsaufgaben. Verbirgt sich dahinter der Hang nach Sensationen? Ist es Ausdruck dafür, dass wir dem Ende des Lebenszyklus eines Unternehmens mehr Aufmerksamkeit schenken als der "Geburt"? Freilich geht es häufig um den Verlust von Arbeitsplätzen. Damit ist nicht nur der Unternehmer betroffen sondern auch seine Mitarbeiter. Aber hilft es uns weiter, unwirtschaftliche Unternehmungen fortzuführen, nur um die Arbeitsplätze zu erhalten? Aus meiner Sicht ist der Blickwinkel auf den gesamten Lebenszyklus eines Unternehmens viel wichtiger. Die Gründung neuer Unternehmen ist daher der wesentliche Punkt. Hier ergibt sich die Chance, grundlegend Neues zu gestalten, neue Strukturen zu entwickeln, neue Produkte in den Markt zu bringen, kurz: Innovationen im Schumpeterschen Sinne zu bewirken. Es hat sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, die wirtschaftlich interessanten Sprunginnovationen kamen von Neugründern und Jungunternehmen. Beredtes Beispiel ist das iPhone oder in jüngster Zeit der Tesla Elektro-PKW. Dabei ist wesentlich, dass die Gründer sich nicht von Politik oder Verwaltung vorschreiben lassen müssen, in welche Richtung ihre Innovationen gehen. Sie haben das sichere Gespür für wirtschaftliche Chancen. Ob Industrie 4. 0 beispielsweise das Allheilmittel der Zukunft sein wird werden die Unternehmen zeigen müssen. Und ob sich aus derartigen Schlagworten Chancen für neue Gründungen ergeben entscheiden die Gründer mit ihren Geschäftsideen.

Gründerfreundlichere Gesellschaft ist Basis für mehr Unternehmensgründungen

Die Analyse der Gründerzahlen in Deutschland macht deutlich, dass es hier ein Problem gibt. Die Zahl der Gründungen stagniert, ist in einigen Bereichen sogar rückläufig. Entsprechende Analysen, so der Global Entrepreneuship Monitor 2014 kommen zu dem Schluss, dass die gesellschaftliche Grundhaltung zum Unternehmertum und die Angst vor dem Scheitern die entscheidenden Defizite sind, die die Deutschen vom Gründen ihres eigenen Unternehmens abhalten. Wie kann man das ändern? Das Verständnis für wirtschaftliche Abläufe und der Grundlagen der Unternehmensführung, sind beispielsweise Dinge, die eigentlich schon zum Schulstoff gehören. Die zarten Pflänzchen, die die Wirtschaft in Selbsthilfe in diesem Sinne gepflanzt hat (z. B. Arbeitskreise Schule - Wirtschaft) sind in diesem Sinne von höchster Priorität. Sie können aber ein funktionierendes Gesamtsystem mit Verankerung der genannten Inhalte in die Lehrpläne und entsprechend ausgebildeter Lehrerschaft nicht ersetzen.

Eine gründerfreundliche Gesellschaft ist eine unternehmerfreundliche Gesellschaft. Wenn dem Unternehmer das notwendige Ansehen entgegengebracht wird, wird dies auch Auswirkungen auf die Gründerzahlen haben. Unternehmer sind die Männer und Frauen die in einem eigenen Unternehmen wirtschaftliche Aktivitäten betreiben um damit Gewinne zu erzielen. Sie tragen persönlich das Risiko von Erfolg oder Scheitern dieser wirtschaftlichen Aktivitäten. Das unterscheidet sie vom Angestellten, auch vom angestellten Manager. Beschäftigen sie Mitarbeiter, werden sie zum Arbeitgeber. Die Akzeptanz dieser herausgehobenen Stellung ist entscheidende Grundlage für Akzeptanz des Unternehmertums und damit eine gründerfreundliche Gesellschaft.

Misstrauen gegenüber Unternehmertum beseitigen

Diese Akzeptanz des Unternehmertums, seiner Grundlage in Form der Entscheidungsfreiheit, bedarf aber auch eines Umdenkens in Politik und Verwaltung. Wie oft sieht sich der Unternehmer Gängelung ausgesetzt die von einem tiefen Misstrauen gegenüber dem Selbstständigen zeugen. Man sieht das zum Beispiel bei neuen Gesetzen. Ich erinnere hier an das Mindestlohngesetz, das eigentlich nur regeln sollte, dass jeder Mitarbeiter in Deutschland pro Stunde einen definierten Mindestlohn verdienen muss. Im Gesetz wird dann geregelt was der Unternehmer für Dokumentationspflichten hat um nachzuweisen, dass er dieses Gesetz einhält. Der Gesetzgeber hat hier bereits bei der Formulierung deutlich gemacht, dass er dem Unternehmer misstraut, dass er ihm Schummelei unterstellt. Ähnliches erfährt man, kommt der Betriebsprüfer vom Finanzamt. Aber denkt man das zu Ende wird deutlich, hier sägt man am Ast auf dem man sitzt. Die Unternehmen zahlen die notwendigen Steuern um eine funktionierende Verwaltung zu finanzieren. Eine solche Verwaltung muss für den Unternehmer da sein und nicht gegen ihn arbeiten.

Es muss uns gelingen, gemeinschaftlich ein Umfeld zu schaffen, in dem das Gründen eines Unternehmens, das Erwirtschaften von Gewinnen und auch das Schließen eines Unternehmens als Selbstverständlichkeiten einer funktionierenden Wirtschaft gesehen werden. Eine Gesellschaft die so denkt, honoriert die Anstrengungen und die Risikobereitschaft des Unternehmers. Das Unternehmen dankt es mit guten Produkten, gut bezahlten Arbeitsplätzen und nicht zuletzt auch sozialem Engagement in der Region.

Autor: Dr. Bertram Dressel, Geschäftsführer TechnologieZentrumDresden GmbH