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Teamgründungen erfolgreich aber rar

12.05.2017

Nach deutlichen Einschnitten über mehrere Jahre hat sich der Rückgang im Gründungsgeschehen im Kammerbezirk Dresden zwar verlangsamt, dennoch unterschritt die Zahl der Existenzgründungen im Haupterwerb mit 4.646 im Jahr 2016 erstmalig die Fünftausender Marke und ging gegenüber dem Vorjahr (5.036) um knapp acht Prozent zurück. Ein Rückgang von acht Prozent verzeichneten auch die Nebenerwerbsgründungen (2016: 4.209, 2015: 4.534).

Von Rückgängen betroffen waren alle Regionen im Kammerbezirk Dresden, wobei sich die Zahl der Gründungen in den Landkreisen Bautzen (530), Meißen (544) und Sächsische Schweiz/Osterzgebirge (531) nahezu glich. Eine Ausnahme bildete wie in den Vorjahren der Landkreis Görlitz (1.443). Dresden verzeichnete mit 1.599 Gründungen den größten Rückgang.

Als Grund für die niedrige Gründungsbereitschaft werden vor allem die guten Perspektiven am Arbeitsmarkt benannt. Gesamtwirtschaftlich betrachtet ist diese seit Jahren zu beobachtende Entwicklung jedoch bedenklich, da Neugründungen von vielen Entscheidungsträgern als ein wohlstandsfördernder Wachstumsfaktor von Volkswirtschaften bewertet werden. Deshalb ist es umso wichtiger, innovative Gründer und junge Unternehmen zu fördern und sie beim Markteintritt zu unterstützen. Nur so kann Know-how und Innovation in der Region gestärkt werden.

Vor diesem Hintergrund hat die Industrie- und Handelskammer Dresden 160 Gründer aus dem Kammerbezirk, die bereits im Jahr 2013 den Weg in die Selbstständigkeit gewagt haben, 2016 detailliert zu ihren Gründungsmotiven, Erfahrungen und Erfolgsfaktoren befragt.

Die Ergebnisse:

Bei den Gründungsmotiven belegt die berufliche Unabhängigkeit mit 52 Prozent Rang eins. 43 Prozent der Gründer können als Chancengründer bezeichnet werden, da sie ein Unternehmen gründeten, um eine konkrete Geschäftsidee umzusetzen.

Ca. die Hälfte der Gründer verzichtete auf die Erstellung eines Businessplans und unterschätzte damit dessen Erfolgspotenzial. Wurde ein solcher Geschäftsplan im Vorfeld angefertigt, konnte ein höheres Beschäftigtenwachstum beobachtet werden. Auch die Umsatzentwicklung verlief wesentlich vielversprechender. 41 Prozent der Gründer nutzten die Unterstützung eines Unternehmens- oder Steuerberaters. An zweiter Stelle stand der Austausch mit anderen Gründern. Knapp jeder vierte Gründer bekam Hilfe bei der IHK.

Entgegen der allgemeinen Entwicklung im Gründungsgeschehen gründeten mehr als zwei Drittel der Befragten im Haupterwerb und entschieden sich somit gegen eine "Selbstständigkeit light" im Nebenerwerb. 73 Prozent der Befragten gründeten ihr Unternehmen allein. Wurde doch im Team gegründet, so wurde dies am ehesten zu zweit getan (65 Prozent). Gemessen an den Erfolgsfaktoren wird deutlich, dass Teamgründungen eine deutlich bessere Entwicklung nahmen als Sologründungen, so z. B. bei der Entwicklung der Mitarbeiterzahlen und den Umsätzen. So erzielte im Geschäftsjahr 2016 ein Viertel der Sologründer Umsätze von mehr als 250.000 Euro. Bei Teamgründern waren es hingegen knapp 43 Prozent.

77 Prozent der Befragten gründeten unter Einsatz von Startkapital, wobei eine Finanzierung "aus eigener Tasche" bevorzugt wurde (57 Prozent), um Unabhängigkeit zu bewahren. Mit einem Startkapital von mehr als 50.000 Euro entwickelten sich nicht nur die Mitarbeiterzahlen am vielversprechendsten, auch die Umsätze fielen am höchsten aus. Die Befragung zeigt weiter, dass Vorkenntnisse sowohl aus einer selbstständigen Tätigkeit als auch aus einer vorherigen Tätigkeit in derselben Branche sowie die formale Qualifikation von Vorteil für ein Gründungsvorhaben sind, und sich nachweislich positiv auf Beschäftigungs- und Umsatzwachstum auswirken. 49 Prozent der Befragten waren vor ihrer Gründung bereits in derselben Branche tätig, rund 30 Prozent sogar schon mit einer anderen Geschäftsidee selbstständig.

Die Befragten zählen zu ihre individuellen Erfolgsfaktoren weitere Punkte: So wurde von langen Arbeitstagen und einer 60-Stunden-Woche gesprochen. Um den hohen Aufwand eines eigenen Unternehmens zu bewältigen, benötigen die Befragten laut eigenen Aussagen Ehrgeiz, Durchhaltevermögen, Zielstrebigkeit und manchmal auch Leidensfähigkeit. Unabdinglich seien ein gutes Team sowie zuverlässige und kompetente Mitarbeiter. Um nicht von Wettbewerbern verdrängt zu werden, ist es laut den Befragten notwendig, seine Individualität zu bewahren und sich konsequent am Kunden und dessen Wünschen zu orientieren.

Neben zahlreichen Erfolgsmomenten ist eine Selbstständigkeit auch mit einer Reihe von Herausforderungen und Schwierigkeiten verbunden. Erfreulich ist, dass der Anteil der Unternehmer, die weder zur Gründung noch im laufenden Geschäftsjahr mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, hoch ist. Bei der Gründung gestaltet sich vor allem die Finanzierung im Zusammengang mit fehlendem Eigenkapital als problematisch. Als weiteres Probleme werden bürokratischen Pflichten, kaufmännische Anforderungen, ein hoher Wettbewerbsdruck, finanzielle Belastung durch Steuern und Abgaben sowie der hohe arbeitszeitliche Aufwand, wodurch Beruf und Familie oftmals nur schwer vereinbart werden können, ausgemacht.

Nach ihren rund dreijährigen Erfahrungen mit den Chancen und Risiken der Selbstständigkeit würde sich mit 87 Prozent ein hoher Anteil der Befragten noch einmal für diesen Weg entscheiden.

IHK-Gründerreport Ausgabe 2017 einschließlich der IHK-Gründerstudie 2016