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Wie eine Tennisballsammelmaschine zum Elektrogerät wurde

veröffentlicht am 15. Juni 2018 von Marcus Dämmig in Geschichten | Portraits | Interviews

Interview - Die Firma blobbler aus Dresden hat eine neuartige Maschine zum Aufsammeln von Tennisbällen entwickelt und zur Marktreife gebracht. Nun soll das Tennistraining revolutioniert werden. Wie herausfordernd es sein kann, ein neues Produkt auf den Markt zu bringen und welche Rolle dabei produktrechtliche Anforderungen spielen, verrät Geschäftsführerin Madlin Stöß.

Fassen Sie doch einmal in kurzen Worten zusammen, worum es sich bei Ihrem Start-Up handelt. Und wie sind Sie auf den Namen "blobbler" gekommen?
Start-Up klingt irgendwie nach Silicon Valley und Smartphone-Apps. Da sind wir als Hersteller eines eigenen Produkts fast schon aus der Mode gekommen. Fast zufällig wurden wir - also mein Vater und ich - durch einen Tennistrainer auf ein Problem aufmerksam gemacht, für das wir eine passende Lösung fanden. Bei einem normalen Trainingstag werden im Schnitt 3.000 Tennisbälle gespielt. Diese müssen anschließend wieder aufgesammelt werden - bislang zumeist per Hand oder mit einem Sammelrohr. Was erstmal nur lästig und anstrengend klingt, ist für Trainer auch ein zeitliches Problem. Denn wenn schneller und bequemer eingesammelt wird, kann auch mehr und effizienter trainiert werden. Also haben wir den blobbler - die Tennisballsammelmaschine entwickelt. Der Firmenname "blobbler" ist abgeleitet vom Geräusch der Tennisbälle, wenn diese in den Sammelkorb fallen: "blobb".
Wie sind Sie bei der Produktentwicklung vorgegangen und welche Rolle spielten dabei produktrechtliche Anforderungen?
Wir haben immer versucht, mehrere Sachen parallel zu erledigen. Während ich eine umfangreiche Marktanalyse erstellt habe, hat mein Vater bereits an unserem ersten Prototyp gearbeitet. Nachdem das grundsätzliche Funktionsprinzip gesetzt war, wurde die Konstruktion immer mehr an die Anforderungen unserer Zielgruppen angepasst. Die Maschine sollte leicht, transportabel aber auch robust sein, denn Tennisbälle können Geschwindigkeiten von mehr als 200 km/h erreichen. Diese Anforderungen unter einen Hut zu bringen, war gar nicht so einfach. Wir haben viel Energie darauf verwendet, die neuralgischen Punkte der Konstruktion zu ermitteln, z.B. durch Lebensdauer- und Belastungstests an selbstgebauten Prüfständen. Nun - letztlich haben wir es ganz gut hinbekommen.
Und das Produktrecht?
Das war weitestgehend mein Part und lief von Anfang an parallel zur Produktentwicklung. Es ist ja wenig sinnvoll ein Produkt zu entwickeln, das am Ende nicht verkauft werden darf, weil es die Regularien nicht einhält. Die meisten Dinge habe ich im Internet recherchiert oder von anderen Gründern erfahren. Aber irgendwann hatte ich bei all den Vorschriften Angst, den Überblick zu verlieren. Also habe ich mir eine Liste mit denjenigen Gesetzen und Verordnungen erstellt, die so klangen, als könnten sie relevant für unser Produkt sein. Später habe ich mich näher mit den einzelnen Rechtsakten auseinandergesetzt und konnte so einige Sachen ausschließen. Vereinfacht gesagt, mussten wir uns um zwei Baustellen kümmern - die CE-Kennzeichnung und das ElektroG. Und obwohl die europäischen CE-Vorschriften eigentlich das komplexere Thema sind, kamen wir damit gut klar. Mein Vater ist Ingenieur und kannte sich hierzu bereits aus. Trotzdem haben wir uns zusätzlich auch an die IHK Dresden gewandt und uns beraten lassen. Das hat uns letztlich vor einem relativ großen Risiko bewahrt hat, denn wir standen schon kurz vor dem Vertriebsstart. Wenn Produkte in den Anwendungsbereich des ElektroG fallen - und das sind bei weitem nicht nur klassische Elektrogeräte - müssen diese bereits vor der Vermarktung bei einer Behörde registriert werden. Bei fehlender oder verspäteter Registrierung können empfindliche Bußgelder verhängt werden. Der ganze Prozess ist ziemlich kompliziert, langwierig und mit Kosten verbunden. Unser Zeitplan war dann also erst einmal dahin. Daher sollte man sich so zeitig wie möglich mit den entsprechenden Anforderungen befassen, um keine böse Überraschung zu erleben. Mittlerweile trägt unsere Tennisballsammelmaschine aber vorschriftsmäßig die CE-Kennzeichnung und ist als Elektrogerät bei der Stiftung EAR registriert.